Vor kurzem wurde ich mit der Frage konfrontiert: Was kommt dir als Erstes in den Sinn, wenn du über Gott nachdenkst? Ich brauchte nicht lange zu überlegen. Sofort kam mir ein Gedanke. Aber das, was mir in den Sinn kam, stimmte nicht mit dem überein, was ich über Gott wusste.
Ich bereitete mich für den Kindergottesdienst vor. Gerade sind wir im Alten Testament unterwegs, und nach dem Lesen des angegebenen Textabschnittes erschien mir Gott als streng, unberechenbar und fremd. Das Alte Testament stellt uns Gott vor und beschreibt, wer und wie er ist und was er will. Es beschreibt sein Wesen. Und ein Wesensmerkmal Gottes ist für mich besonders schwer vorstellbar und begreifbar, nämlich seine Heiligkeit. Vielleicht ist das auch der Grund, warum ich so über Gott denke, wie ich denke, denn ich weiß eben nicht genug über ihn. Daher befasste ich mich mit drei Männern aus dem Alten Testament, denen Gott in seiner Heiligkeit begegnet ist, mit unterschiedlichem Ausgang.
Usa, der Priestersohn
Als Erstes möchte ich euch Usa vorstellen. Usa ist einer der drei Söhne von Abinadab. Abinadabs einziger Auftritt im Alten Testament findet sich in der Erzählung über die Bundeslade in 1. Samuel 7 (und dem entsprechenden 1. Chroniken 13,7). In 1. Samuel 5 werden die Philister, nachdem sie die Bundeslade erobert haben, von Mäuseplagen und Tumoren heimgesucht und sie geben die Lade wieder zurück an Israel. Die Israeliten brachten die Lade zum Haus Abinadabs, in dem sie während der Herrschaft Sauls, also 20 Jahre lang, blieb. Einer der drei Söhne, Eleazar, wurde dazu bestimmt, über die Bundeslade zu wachen. Anio und Usa halfen später, unter der Herrschaft von David, bei dem ersten Versuch, die Bundeslade nach Jerusalem zu transportieren. Wer die Geschichte kennt, weiß auch ihren Ausgang. Usa berührt mit seiner Hand die Bundeslade, als sie ins Rutschen auf dem Ochsenkarren gerät, und er stirbt auf der Stelle. In 1. Samuel 6,6-7:
Als sie zu einem Dreschplatz kamen, der einem Mann namens Nachon gehörte, drohten die Rinder den Wagen umzuwerfen. Usa griff nach der Bundeslade und hielt sie fest.
Da wurde der HERR zornig auf ihn, weil er so vermessen war, ´die Bundeslade zu berühren`. Er ließ Usa an Ort und Stelle neben der Lade sterben.
Solche Texte in der Bibel lassen mich erst einmal leerschlucken. Ich frage mich, warum tut Gott so etwas? Er weiß doch, dass Usa es eigentlich nur gut gemeint hat. Vielleicht gibt es auch für euch Stellen in der Bibel, bei denen ihr Gott nicht verstehen und sein Handeln nicht einordnen könnt. Wir stellen uns die Frage: Wie kann Gott einerseits barmherzig, liebend und geduldig sein und andererseits streng, gerecht und uns so fremd? Diese Eigenschaftswörter beschreiben treffend die Heiligkeit Gottes.
Vielleicht kommt euch bei Heiligkeit als Erstes Reinheit oder Sündlosigkeit in den Sinn. Und ja, Gottes moralische Perfektion ist definitiv ein Teil seiner Heiligkeit. Gott ist sündlos, das heißt, er kennt nicht das Böse und er kann somit auch nichts Böses tun. Alles, was Gott tut, ist gut, alles Gute kommt von ihm. Und das können wir auf den ersten Seiten der Bibel lesen. Alles, was Gott schuf, war gut, und der Mensch war sogar sehr gut.
Doch seit dem Sündenfall sehen wir klar, dass Gottes Heiligkeit mit Gerechtigkeit einhergeht. Es ist wie ein Paar Schuhe: ohne Heiligkeit keine Gerechtigkeit und ohne Gerechtigkeit keine Heiligkeit. Seine Gerechtigkeit ist also gut, weil Gott immer gut und richtig handelt.
Wenn wir uns unter diesem Gesichtspunkt Usas Geschichte noch einmal anschauen, dann erkennen wir, dass Gott heilig ist und Usa sündig. Die Bundeslade wird auch Gnadenthron genannt. Sie stand im Allerheiligsten der Stiftshütte, später auch im Tempel, und auf ihr ruhte die verheißene Gegenwart Gottes. Nur einmal im Jahr durfte der Hohepriester das Allerheiligste unter peniblen Vorbereitungen betreten, zur Sühnung der Sünden des Volkes. Sie war also nicht ein x-beliebiger Gegenstand aus der Stiftshütte, sondern die geheiligte Bundeslade, die Gottes Gegenwart unter seinem Volk repräsentierte. Nur ausgewählte Priester aus dem Stamm Levi durften in und vor der Stiftshütte Gott dienen.
Als David König über Israel war, gehörte dies zu längst vergangenen Zeiten. Doch nach 20 Jahren wollte David die Bundeslade endlich zurück nach Jerusalem holen. Usa begleitete den Transport zusammen mit seinem Bruder. Und da passiert es. Als Erstes müssen wir feststellen, dass Usa seine Sündhaftigkeit nicht erkannt hatte, denn er dachte, er müsste die Bundeslade vor dem Dreck des Erdbodens bewahren. Ihm war nicht bewusst, dass seine Sündhaftigkeit vor Gott schwerer wog. Usa hatte trotz der Tatsache, dass er in einem religiösen Haushalt und mit den Vorbildern seines Bruders Eleasar (Hüter der Bundeslade) und seines Vaters lebte, nicht erkannt, wer der Gott Israels ist. Vielleicht hatte er sich auch an die Gegenwart Gottes gewöhnt, an seinen Segen und an seine Geduld mit ihm.
Wie ist deine Beziehung zu Gott? Ist es eine persönliche, vertraute Beziehung, oder kennst du Gott eher vom Hören sagen?
Bei der Geschlechterfrage oder Fragen rund um die Sexualität stoßen wir schnell auf Herausforderungen. Können unser Verständnis und unser Gefühl wirklich falsch sein? Wem glauben wir, wenn die Bibel uns widerspricht? Unser Problem als Menschen ist, dass Gott heilig ist und wir es nicht sind. Gottes Wort ist sein Maßstab an uns und für uns sündige Menschen nicht erreichbar. Vielleicht sind wir auch nicht damit einverstanden und legen unseren menschlichen Maßstab an Gott an. Wenn man den Mann nach seinen Beweggründen fragen würde, dann würde er bestimmt sagen: Ja, Gott ist doch Liebe, was kann Gott gegen die Liebe zwischen zwei Menschen haben?
Gott ist aber auch heilig, und wenn wir Gott nur durch die Linse der Liebe sehen, dann haben wir ein falsches Gottesbild. Gott ist nicht an manchen Tagen lieb, dann gnädig, geduldig und zwischendurch heilig. Nein, er ist alles zu jeder Zeit.
David, der König von Israel
Der zweite Mann, der die Tragödie von Usa hautnah miterlebte und den ich euch vorstellen möchte, ist David. David wird in der Bibel als ein Mann nach Gottes Herzen beschrieben. Er wird als junger Mann zum König gesalbt. Er erlebt Gottes Segen und Wohlwollen, Schutz vor Widersachern und Feinden, Gottes Durchtragen in tiefster Not, Gelingen und Sieg über Feinde und Gottes Vergebung. Bei diesem Vorhaben hatte er nur die besten Absichten. Gott sollte wieder unter seinem Volk wohnen. Er bereitete ihm ein Zelt vor und organisierte den Transport.
Das ganze Vorhaben endet mit dieser Tragödie. Ein Mensch stirbt. Und wir lesen in 6,8–9 (HFA):
David war entsetzt, dass der HERR ihn so aus dem Leben gerissen hatte. Seitdem heißt der Dreschplatz Perez-Usa (»Entreißen Usas«). David bekam Angst vor dem HERRN. »Wie kann ich es jetzt noch wagen, die Bundeslade des HERRN zu mir zu nehmen?«, fragte er sich.
In anderen Übersetzungen heißt es: David war zornig oder wütend darüber.
David bekam Angst vor dem HERRN. »Wie kann ich es jetzt noch wagen, die Bundeslade des HERRN zu mir zu nehmen?«, fragte er sich.
Vielleicht geht es uns ähnlich wie David, wenn wir solche Abschnitte in der Bibel lesen. Ein heiliger Gott ist zum Fürchten. Oft fragen wir, wenn schlimme Dinge uns oder in unserem direkten Umfeld geschehen: „Gott, wie kannst du das zulassen?“ Gott erscheint uns dann fremd und unberechenbar. Unser Glaube ist auf dem Prüfstand, wie bei David. Doch David macht das einzig Richtige in dieser Situation: Er sucht Gott in seinem Wort und wir lesen in 1. Chronik 15, 2 und 13:
Damals sagte David: Die Lade Gottes soll niemand tragen außer den Leviten; denn sie hat der HERR erwählt, die Lade des HERRN zu tragen und seinen Dienst zu verrichten auf ewig.
Denn weil beim ersten Mal nicht ihr ⟨es getan habt⟩, machte der HERR, unser Gott, einen Riss unter uns, weil wir ihn nicht nach der Vorschrift gesucht haben.
Gott ist heilig und sein Wort ist heilig. Es fordert von uns absoluten Gehorsam. In 4. Mose 4,15 und 20 gibt Gott genaue Anweisungen, wie das Heiligtum und die Bundeslade transportiert werden sollen und wer dafür verantwortlich ist. Hätte David es nicht nur gut gemeint, sondern in Gottes Wort geforscht, was Gottes Wille ist, wäre Usa vielleicht nicht umgekommen.
Wie gehen wir mit Gottes Wort um? Ich kann mich gut daran erinnern, als meine Kinder klein waren, die Nächte kurz und mein Mann auch am Wochenende arbeitete. Da habe ich mich häufig am Sonntagmorgen gefragt, ob ich mir den Stress antun und in den Gottesdienst gehen soll. Oft hatte ich kein Problem damit, zu Hause zu bleiben und es gemütlich zu nehmen. Aber eines Tages habe ich dann in meiner Stillen Zeit im Hebräerbrief 10, 24-25 die Anordnung gelesen, wir sollen die Versammlung nicht verlassen bzw. fernbleiben. Gott hat mir durch sein Wort bewusst gemacht, dass der Besuch des Gottesdienstes am Sonntag für mich und meine Familie Priorität haben muss. Die Gemeinde im Hebräerbrief wurde „ernsthaft verfolgt“. Wenn die Gläubigen trotz Verfolgung nicht der Versammlung fernbleiben sollen, womit kann ich dann meine Abwesenheit rechtfertigen? Ich habe oft gegen Gott gesündigt, weil ich seinem Wort nicht gehorsam war, auch wenn es mir in diesen Momenten nicht bewusst gewesen ist. Und ich sündige heute noch bewusst oder unbewusst gegen Gott und sein heiliges Wort, seinen Maßstab für uns.
Jesaja, der Prophet
Ein weiterer Mann, der dem heiligen Gott begegnete, ist Jesaja. Seine Berufung zum Propheten ist spektakulär. Jesaja hat eine Vision.
Im Todesjahr des Königs Ussija sah ich den Herrn sitzen auf einem hohen und erhabenen Thron, und seine Säume erfüllten den Tempel. Seraphim standen über ihm; jeder von ihnen hatte sechs Flügel: mit zweien bedeckten sie ihr Angesicht, mit zweien bedeckten sie ihre Füße, und mit zweien flogen sie. Und einer rief dem anderen zu und sprach: Heilig, heilig, heilig ist der HERR der Heerscharen; die ganze Erde ist erfüllt von seiner Herrlichkeit! (Jesaja 6,1-3)
Jesaja sieht den ewigen Herrn auf dem Thron sitzen. Menschliche Könige sterben und vergehen. Der ewige Herrscher sitzt auf dem Thron in seiner ganzen Heiligkeit. Der Saum seines Gewandes füllt den Tempel. Ein prachtvolles Bild von Majestät und Herrlichkeit. Rund um den Thron sind Seraphim Engel, die allein für die Anbetung des Höchsten zuständig sind. Sie verkünden seine Herrlichkeit und Heiligkeit. Sie rufen dreimal Gottes Heiligkeit aus. Und wenn in der Bibel Wörter mehrfach hintereinander wiederholt werden, dann heißt es für den Leser: Aufgemerkt, der Verfasser möchte uns etwas Wichtiges mitteilen. Mit dem dreimaligen Wiederholen von Gottes Heiligkeit, untermauern sie, dass Gott das Allerheiligste ist. Er ist die alleinige Quelle der Heiligkeit. Er ist unvergleichlich heilig.
Was beinhaltet der Begriff Heiligkeit noch außer moralischer Perfektion, also absolut gut und gerecht zu sein? Es bedeutet auch, dass Gott anders ist. Er ist ausgesondert. Vielleicht am besten zu beschreiben mit: Er ist nicht von dieser Welt. Vermutlich haben wir mit der Vorstellung der Heiligkeit Gottes Probleme, weil wir nichts Vergleichbares in dieser gefallenen Welt finden.
Die Eigenschaft Liebe ist uns vertraut, und deshalb sprechen wir häufiger von einem liebenden Gott als von einem Heiligen. Jeder von uns hat schon menschliche Liebe erfahren, wenn auch auf eine unperfekte Art und Weise. Daher können wir uns einen liebenden Gott eher vorstellen als einen Heiligen. Aber die Bibel spricht nicht von einem gnädigen, gnädigen, gnädigen oder liebenden, liebenden, liebenden Gott, sondern, wie es Jesaja in Kapitel 6,3 schreibt: Heilig, heilig, heilig ist der Gott der Allmächtige oder der Heerscharen. Seine Liebe ist heilig, seine Gnade ist heilig und seine Gerechtigkeit ist heilig. Und was es bedeutet, einem heiligen Gott zu begegnen, das hat Jesaja in seiner Vision erlebt bzw. das erleben alle Menschen, die dem heiligen Gott zu nahekommen.
Da erbebten die Pfosten der Schwellen von der Stimme des Rufenden, und das Haus wurde mit Rauch erfüllt. Da sprach ich: Wehe mir, ich vergehe! Denn ich bin ein Mann mit unreinen Lippen und wohne unter einem Volk, das unreine Lippen hat; denn meine Augen haben den König, den HERRN der Heerscharen, gesehen! (Jesaja 6,4-5)
Jeder Mensch erkennt in der Gegenwart des heiligen Gottes seine Sündhaftigkeit und Schlechtigkeit, und zu vergehen scheint der einzige Ausweg.
Weil wir Menschen uns selbst nicht gerne in ein schlechtes Licht rücken, haben wir mit Gottes Liebe, Güte und Gnade weniger Probleme als mit Gottes Heiligkeit, denn seit dem Sündenfall haben wir unser «sehr gut sein» als seine Geschöpfe verloren. Unsere ersten Eltern rebellierten gegen Gott. Sie wollten selbst sein wie Gott und wurden folglich aus der Gegenwart Gottes vertrieben. Wir können also als sündige Menschen nicht in die Gegenwart Gottes kommen. Es ist unmöglich! Als Sünder würden wir augenblicklich sterben. Abgesehen davon wollen wir als gefallene Menschen gar nichts mit Gott zu tun haben, denn wir sind geistlich tot, wie es die Bibel im Epheserbrief 2,4-5 beschreibt.
Befinden wir Menschen uns in einer aussichtslosen Lage? Menschlich gesehen ja! Sie ist absolut hoffnungslos. Wenn Gott nicht die Initiative ergreift und Menschen nach seinem Willen geistlich neu wiederbelebt.
Doch wen sieht Jesaja dort auf dem Thron sitzen? In Johannes 12,41 (NGÜ) finden wir die Antwort:
Jesaja sagte das, weil er die Herrlichkeit Jesu gesehen hatte; auf ihn bezogen sich seine Worte.
Es ist Jesus, der auf dem Thron sitzt, in seiner ganzen Herrlichkeit und Heiligkeit. Es ist Jesus, der König aller Könige und der Herr aller Herren, der Sohn Gottes.
Schlussgedanken
In Philipper 2, 6-11 können wir nachlesen, dass dieser heilige, herrliche König meinet- und deinetwegen die Herrlichkeit verließ und sich selbst erniedrigte. Gott, der Schöpfer des Himmels und der Erde, kommt in seine Schöpfung, die ihn ablehnt und ihm gegenüber feindselig ist, die ihn verleugnet und schließlich umbringt. Der heilige, ewige Herr, Jesus Christus, wird Mensch, lebt das gerechte, heilige, moralisch perfekte Leben nach Gottes Maßstab, das Gott von jedem Menschen in seinem heiligen Wort fordert. Er nimmt deine und meine Schuld auf sich, weil wir versagt haben und immer wieder versagen werden gegen Gottes Maßstab. Jesus Christus bezahlt sie mit seinem Leben am Kreuz. Am dritten Tag steht er wieder auf und besiegt so den Fluch der Sünde, den ewigen Tod. Jesus schenkt allen, die auf ihn vertrauen, das ewige Leben mit ihm in seiner heiligen Gegenwart und Herrlichkeit. Seine Gerechtigkeit (das sündlose, heilige Leben vor Gott) wird uns unverdient angerechnet und wir dürfen mutig in die Gegenwart des heiligen Gottes treten, ohne Angst zu sterben, weil wir nun in Christi Gerechtigkeit gekleidet sind.
Hebräer 4,16 (NGÜ)
Wir wollen also voll Zuversicht vor den Thron unseres gnädigen Gottes treten, damit er uns sein Erbarmen schenkt und uns seine Gnade erfahren lässt und wir zur rechten Zeit die Hilfe bekommen, die wir brauchen.
Ich möchte dir zum Schluss die Frage stellen:
»Was kommt dir als Erstes in den Sinn, wenn du über Gott nachdenkst?«
Bibelübersetzung, wo nicht anders vermerkt: Schlachter © 2000 Genfer Bibelgesellschaft

Grit Girsberger


