Wer das erste Mal Frauenarbeit macht, hat vermutlich bestimmte Vorstellungen, wie das Ganze aussehen soll. Vielleicht stellt man sich eine Gruppe voller weiser und wissbegieriger Frauen vor, die sich gerne korrigieren lassen und offen von ihren Erfahrungen, Prägungen und Wünschen sprechen. Natürlich werden sie alle regelmäßig erscheinen und engagiert sein. Sie werden gute Ideen beitragen und gerne neue Projekte umsetzen. Sie haben eigentlich nur darauf gewartet, dass jemand mit ihnen diesen Weg geht und ihnen die Möglichkeit bietet, ihr Potenzial voll auszuschöpfen.
Und dann schlägt die Realität ein. Ein bescheidener Haufen von Frauen, die erst mal skeptisch reinschauen. Ob sie wirklich mitmachen wollen oder nicht, können sie jetzt noch nicht so genau sagen. Aber das ist besser als gar nichts, denn die meisten Frauen haben die Einladung schlichtweg ignoriert.
Und beim Treffen selbst? Es bleibt eher stockend. Niemand möchte sich so recht öffnen, jedenfalls nicht, wenn es um Persönliches geht. Wenn du selbst dich öffnest, lauschen zwar alle gespannt und machen große Augen, doch reicht das leider nicht aus, um sie aus der Reserve zu locken.
Wenn die Teilnehmerinnen doch nur sehen könnten, welche Vision du in Gottes Wort für Frauen entdeckt hast. Wenn du ihnen nur verständlich machen könntest, wie wundervoll sein Plan ist und was für ein Segen darin liegt, wenn wir in dieser Bestimmung leben. Doch selbst wenn du es ihnen sagst, kommen die Worte nicht annähernd so heraus, wie du sie in deinem Herzen fühlst. Was nun? Aufgeben?
Vielleicht läuft es aber auch ganz anders. Frauen kommen und gleich von Beginn an triffst du ins Schwarze. Es herrscht ein liebevoller Umgang untereinander, es gibt tolle Gespräche und jede Menge Ermutigung. Die Arbeit ist genau so, wie du sie dir gewünscht hast. Ein Thema nach dem anderen wird durchgenommen, biblische Bücher werden gemeinsam angeschaut und es wird füreinander gebetet. Die Gruppe ist beständig, die Teilnehmerinnen treu. Aber sie wächst nicht und bei genauer Betrachtung müsste man wohl zugeben, dass sich im Leben und im Verhalten der Frauen über die Zeit nicht viel verändert. Was jetzt?
Wie bringen wir Frauen dazu, mitzumachen, mitzuarbeiten, die Ärmel hochzukrempeln und den Stier bei den Hörnern zu packen? Sobald es um Arbeit an sich geht, kommt meist der Einwand, dass es Gott ist, der sowohl das Wollen wie auch das Vollbringen wirkt. Mit anderen Worten: dass es also nicht nötig ist, beunruhigt über das fehlende Wachstum bei sich selbst oder den anderen zu sein. Doch dieser Satz ist aus dem Kontext gerissen. Im Zusammenhang sagt Paulus nämlich:
Darum, meine Geliebten, wie ihr allezeit gehorsam gewesen seid, nicht allein in meiner Gegenwart, sondern jetzt noch viel mehr in meiner Abwesenheit, verwirklicht eure Rettung mit Furcht und Zittern; denn Gott ist es, der in euch sowohl das Wollen als auch das Vollbringen wirkt nach seinem Wohlgefallen. (Philipper 2,12-13)
Diese beiden Sätze gehören zusammen und dürfen nicht auseinandergerissen werden. Wir sollen auf unsere Erlösung hinarbeiten. Wir sehen das Ziel vor Augen. Das Ziel ist Christus (kein Punkt oder Ort) und wir laufen darauf zu. Das bedeutet nicht, dass wir unsere Erlösung mit Werken erreichen, sondern dass wir unser Leben darauf ausrichten, christusähnlicher zu werden – und dies wird Gott in uns wirken. Frauenarbeit ist der ideale Ort für Christen, um dieses Denken umzusetzen. Dazu benötigen wir Geduld und Durchhaltevermögen.
Es ist wichtig, Möglichkeiten zu schaffen, wie die Frauen mit kleinen Schritten beginnen können. Dafür muss klar kommuniziert werden, was unser Ziel ist.
Aus dem Buch: Mehr als Kaffee und Kuchen. Aus dem Vollen schöpfen in der christlichen Frauenarbeit, Sola Gratia Medien.
Du machst dir Gedanken zu deiner eigenen Frauenarbeit? Sei mit dabei bei der NACHFOLGERIN-Konferenz in Zürich.





