«Unser kleines großes Wunder ist da!», las ich im Familienchat und machte einen innerlichen Freudentanz, als ich neben der Nachricht das Bild von meiner Schwester und ihrem neugeborenen Sohn auf ihrem Arm betrachtete. «Wann habe ich mich das letzte Mal so gefreut über eine Nachricht?», überlegte ich. Es muss Anfang des Sommers gewesen sein, als ich gemeinsam mit einer Freundin erfahren durfte, dass wir beide die Bachelorprüfungen bestanden haben. Lieben wir es nicht alle, gute Nachrichten in Familienchats, Instagram-Stories oder bei einem Freundestreff zu verkünden? Und lieben wir es nicht alle, solche Nachrichten zu erhalten?

Als Nachfolgerinnen von Jesus Christus sind wir beauftragt worden, Überbringer der guten Nachricht zu sein.

Und er sprach zu ihnen: Geht hin in alle Welt und verkündigt das Evangelium der ganzen Schöpfung! Wer glaubt und getauft wird, der wird gerettet werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden. (Markus 16,15-16)

Hindernisse überwinden

Vergesslich?

Vergisst du öfter, dass du dazu berufen bist? Dann soll dich die Stelle aus dem Markusevangelium daran erinnern. Schreib sie auf, kleb sie an deinen Spiegel oder an das Armaturenbrett in deinem Auto. Du kannst den Vers auch vertonen oder eine bereits vertonte Version davon immer wieder anhören und mitsingen. Es ist menschlich, dass wir unseren göttlichen Auftrag vergessen, aber lasst uns nicht in der Vergesslichkeit bleiben.

Enttäuscht?

Vielleicht lebst du den Auftrag aus, aber es fühlt sich eher an, als hättest du schlechte Nachrichten gebracht. Du stösst auf Ablehnung, wenn du deinem Nachbarn die Bedeutung der Weihnachtsgeschichte erklärst oder du wirst belächelt, wenn du von dem auferstandenen Messias statt vom Osterhasen sprichst. Der letzte Teil der Markusstelle weist bereits darauf hin, dass es auch Menschen gibt, die dem Evangelium nicht glauben werden. Die gute Nachricht bringt in den Menschen nicht immer eine gute Reaktion hervor. Wenn du also entmutigt bist, dann sinne über den ersten Teil von Vers 15 nach: Es wird Menschen geben, die der Verkündigung des Evangeliums glauben werden, sich taufen lassen werden und so in Ewigkeit gerettet werden!

Vielleicht hast du es selbst noch nie erlebt, dass jemand dem Evangelium geglaubt hat, aber das soll dich nicht hindern weiterhin treu zu sein in deinem Auftrag. Denn es gibt Menschen da draussen, die unter ihrer Sündenlast zerbrechen und jemanden brauchen, der ihnen die Hoffnung des Kreuzes bringt. Und es gibt Menschen, die in ihrer Scham gefangen sind und davon hören müssen, dass Jesus Christus einen hohen Preis für sie bezahlt hat. Solche Menschen brauchen von Jesus beauftragte Frauen, die ihnen das Evangelium verkündigen.

Unfähig?

Vielleicht ist dein Einwand nicht die Vergesslichkeit und auch nicht die Enttäuschung. Vielleicht zweifelst du daran, ob du überhaupt fähig bist, das Evangelium weiterzusagen. Die Angst, nicht die richtigen Worte zu finden oder schwierige Rückfragen nicht beantworten zu können, lähmt dich. Jesus spricht in Vers 15 zu seinen Jüngern. Sie waren keine Übermenschen. Sie waren charakterlich sehr, sehr unterschiedlich. Sie hatten mit Stolz, Zweifel und Faulheit zu kämpfen. Er sandte diese Jünger aus, aber nicht alleine. Der Heilige Geist würde ihre Kraft und ihr Beistand sein. Ausserdem dürfen wir ruhig zugeben, wenn wir auf eine Frage gerade keine Antwort haben. Vielleicht ist das die perfekte Gelegenheit, einen persönlichen Recherche-Block einzuschieben und sich in zwei Wochen mit der Person nochmals zu treffen.

Vielleicht gebraucht Gott diese Situation auch, um deinen Glauben zu stärken und wachsen zu lassen. Am wichtigsten ist es jedoch zu erkennen, dass Gott Menschen rettet. Die fehlende Schärfe in unserem Argument oder das wichtige Detail, das wir im Gespräch vergessen haben, werden Gott nicht davon abhalten, diese Person zu retten. Er braucht uns als seine Werkzeuge und wir dienen ihm mit allem, was wir haben. Aber es liegt an Gott, diese Person geistlich aus dem Tod zu erwecken und lebendig zu machen.

Gleichgültig und bequem?

Es gibt viele weitere Gründe, die uns daran hindern könnten, als Beauftragte das Evangelium der ganzen Schöpfung zu verkündigen. Ich identifiziere in meinem Leben immer wieder die Bequemlichkeit und Gleichgültigkeit als grosse Hindernisse. Ich will dann im Zug lieber meine Musik hören, als dem älteren Herrn neben mir zuzuhören. Ich will mich in Gedanken lieber um mich drehen, als um die ewige Zukunft meines Arbeitskollegen. Und genau in diesen Momenten – oder zwei, drei später – merke ich, dass ich Busse tun muss. Das Wesen meines Herzens braucht Verwandlung und mein Denken braucht Erneuerung. Weg von dem Denken der Welt und hin zu dem von Jesus. Sein Herzensanliegen soll unseres werden. Sein Mitgefühl soll sich auch in uns breit machen.

Ideenlos/einfallslos?

Vielleicht fragst du dich aber auch, wo du anfangen sollst oder wie Evangelisation im Alltag überhaupt geht. Wie können wir da, wo wir sind, mit dem, was wir haben, als Beauftragte von Jesus Christus leben? Einige dieser Ideen möchte ich gerne mit dir teilen. Sie sind aus meinem Alltag, aus dem von Glaubensgeschwistern oder aus der Bibel selbst. Lass dich von ihnen inspirieren:

Im Alltag das Evangelium teilen

…durch die Gemeinde

Die Gemeinde ist der Ausgangspunkt, die Basisstation von allen evangelistischen Tätigkeiten. In der Apostelgeschichte lesen wir, wie in der Gemeinde Gottes Wort gelehrt und von dort aus das Evangelium in alle Welt getragen wurde. Es war die Gemeinde, die dafür betete, dass Petrus und Johannes trotz Redeverbot das Evangelium weiterhin freimütig verkündigen (Apg 4,29). Wer durch die Evangelisation an Jesus Christus gläubig wurde, wurde Teil der Gemeinde und konnte dort im Glauben weiterwachsen (Apg 2,41-47). So ist auch für uns heute die Gemeinde die Zentrale für Evangelisation. Dort werden wir an unseren Auftrag erinnert, dort beten wir für Freimütigkeit, dort werden wir durch das Lehren und Ausleben des Evangeliums ermutigt und ausgerüstet für unseren Auftrag, dort nehmen wir Neubekehrte auf.

…durch Gebet

Lasst uns für unsere Stadt, Nachbarschaft, Schulen, Asylheime und für die bekannten Gesichter im Zug, Supermarkt oder beim Morgensport beten. Indem wir für sie danken und bitten (1. Tim 2,1), werden auch wir daran erinnert, dass sie Rettung brauchen. Im Gebet wird das Anliegen für diese Menschen geboren und verstärkt. Schliesslich müssen wir uns von Gott selbst erbitten, dass er ihre Herzen für die gute Nachricht öffnet und wir Möglichkeiten haben, um sie kennenzulernen.

…durch Gastfreundschaft

Offene Türen öffnen Herzen. In ihrem Buch über Gastfreundschaft schreibt Rosaria Butterfield: «Radikal einfache Gastfreundschaft ist Folgendes: Das eigene christliche Zuhause auf eine alltägliche Weise zu gebrauchen, die darauf abzielt, Fremde zu Nächsten und Nächste zu Gottes Familie zu machen.» Wir haben unterschiedliche Möglichkeiten und Grenzen, um Gastfreundschaft zu üben, aber wir sind alle dazu aufgefordert, die Fremden zu lieben, unsere Nachbarn zu lieben und mit den Armen unser Brot zu teilen. Es geht dabei nicht um eine einmalige Show mit 3-Gänge-Menü, sondern darum, Menschen wirklich kennenzulernen, eine offene Tür und zwei offene Ohren zu haben und Christi Liebe praktisch zu teilen. Und das geht auch sehr gut mit Nudeln und Tomatensauce in Papptellern.

…durch spontane Begegnungen

Jesus hat sich ständig unterbrechen lassen – von Menschen, die seine Hilfe benötigten, von Menschen, die Fragen hatten. Ich weiss, wir müssen pünktlich zur Arbeit erscheinen, wir müssen auf dem Rückweg den 17.42-Uhr-Bus erwischen und wir müssen davor noch unseren Einkauf erledigen. Aber manchmal trägt Gott Menschen an uns heran, die Hilfe brauchen und Fragen haben. Dann ist Gottes Agenda wichtiger als unsere Termine und es ist vielleicht dran, auf die Butter zu verzichten und den Bus um 18.42 Uhr zu nehmen. Solche Notfallbegegnungen haben schon oft mit dem Evangelium geendet.

…durch dein Hobby

Töpfern, Pilates, Leseclubs, Schreibatelier, Kochkurs, Theater oder Chor. Hast du schon einmal überlegt, nach Freizeitaktivitäten in deinem Dorf zu schauen? Das sind gute Möglichkeiten, um Menschen aus der Nähe kennenzulernen, Freundschaften zu knüpfen und um ihnen die Möglichkeit zu geben, dich und deinen Herrn kennenzulernen.

…durch dein Leid oder deine Tollpatschigkeit

Sei ruhig transparent, wenn du durch Leiden gehst. Für deine Arbeitskollegen oder Nachbarn ist das ein Zeugnis dafür, dass Christen vor Leid nicht bewahrt werden, aber eine Hoffnung haben, die im Himmel verankert ist. Und Gott gebraucht sogar unsere frustrierenden Momente. Vor wenigen Wochen habe ich mein Auto falsch parkiert und dafür eine erstaunlich hohe Busse erhalten. Gerade diese Situation wurde wenige Minuten später in einem Gespräch eine Veranschaulichung für Gerechtigkeit, Gericht und Gnade.

…durch öffentliches Bibellesen

Schon mehrmals haben mich Menschen in der Öffentlichkeit angesprochen, weil ich in der Bibel las oder sie irgendwo offen auf dem Tisch liegen hatte. Im Gymnasium sprach mich beispielsweise mein Lehrer darauf an. Dadurch kamen wir in ein Gespräch, in dem ich noch mehr von meinem Glauben teilen konnte. Vor ein paar Wochen war es eine fremde Frau im Zug, die erstaunt war, dass ich in der Bibel lese. Es folgte eine spannende Diskussion über Gott und die Kirche.

Fang irgendwo an

Dieser Artikel soll dich nicht erschlagen. Er soll dich ermutigen, einen Schritt zu gehen, eine Sache zu tun. Vielleicht ist es der Erinnerungszettel am Spiegel oder das regelmässige Gebet für die Nachbarin im 2. Stock. Vielleicht willst du nach dem Gottesdienst mit einer Schwester über das Thema reden, um gemeinsam dranzubleiben. Oder du lädst die Frau vom Morgensport, mit der du schon öfter mal gequatscht hast, danach mal ins Café ein.

Du wirst deinen Auftrag wieder vergessen, du wirst auch enttäuscht werden und es wird sich gelegentlich wieder Gleichgültigkeit in dir breitmachen (zumindest geht es mir so). Aber dafür haben wir die Gemeinde. Da werden wir an Jesu Worte erinnert und da beten wir füreinander und für die Verlorenen. Wir selbst brauchen das Evangelium täglich. Unser Herz muss voll werden mit der Gnade Gottes, damit unser Mund davon spricht.

Es sind bereits Wochen vergangen, seit mein Neffe geboren wurde. Ich schaue mir seither täglich Bilder von ihm an, besuche meine Schwester und freue mich an diesem süssen Leben. Jesaja schreibt über den kommenden Messias: «Denn uns ist ein Kind geboren! Ein Sohn ist uns geschenkt!» Die Freude ist gross, weil dieser Sohn Gottes gekommen ist, um uns aus der Gefangenschaft der Sünde zu befreien und Frieden für unsere Seelen zu bringen. Lasst uns immer wieder zurückkehren zur Schönheit und Fülle des Evangeliums und dort unsere Herzen stärken. So können wir morgens die Schuhe der Bereitschaft zum Zeugnis des Evangeliums anziehen (Eph 6,15) mit dem Gebet auf den Lippen: «Herr, ich will mich heute von dir gebrauchen lassen, damit die frohe Botschaft Menschen erreicht.»


Bibelübersetzung Schlachter Copyright © 2000 Genfer Bibelgesellschaft

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